Zweiter (News)Letter BZW – Veränderungsprozesse

Mit den verbleibenden Lettern in diesem Jahr möchten wir einen zweiteiligen Rückblick auf das BZW-Jahr geben. In diesem Letter thematisiert Christoph Huy die Veränderungsprozesse vor dem Kampagnenstart und knüpft damit an die die Entstehung des Projektes an. Das BZW-Team wünscht schöne Feiertage!

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe an der systemischen Welt sich erfreuende Menschen, liebe Neugierigen, liebe User, liebe Community,

Mit dem ersten offiziellen Letter „Beziehungsweisen“ vor zwei Wochen haben wir versucht, uns vorzustellen und die Entstehungsgeschichte von „Beziehungsweisen“ als auch unser Anliegen zu skizzieren. Nun, mit dem zweiten Letter möchten wir Ihnen gerne beschreiben, welche Veränderungsprozesse sich bis zum Kampagnenstart ergeben haben.
Veränderungsprozesse stellen hierbei auch ein erstes, sehr zentrales Stichwort dar. Einerseits ließe sich der Begriff auf die Entwicklung des Films selbst beziehen. Wie weit ist die Produktion? Welches neue Material hat sich ergeben? Was sind nächste Schritte? Andererseits könnte man ihn aber auch auf die Organisation „Beziehungsweisen“ anwenden. Welche Strukturen haben sich manifestiert? Welche wurden wieder verworfen? Welches Team ist derzeitig wofür verantwortlich? Wo befinden wir uns gerade?

Organigramm von beziehungsweise(n)
Eine dritte, vierte oder vielleicht sechste Möglichkeit könnte wiederum darin bestehen, den Begriff der Veränderung selbst zum Thema werden zu lassen und als Teil des Prozess‘ zu verstehen. Vielleicht mag dies banal klingen, dennoch scheint es für uns ein wesentlicher Aspekt, um möglichst lösungsorientiert zu arbeiten. Vermeintliche Umwege können so vielmehr als Erweiterung unserer persönlichen Landkarte und nicht als Rückschritt, Zeitverschwendung oder ähnliches angesehen werden.
Dieser Letter stellt selbst ein sehr treffendes Beispiel für unsere Herangehensweise dar. Sinn und Zweck eines herkömmlichen Newsletters ist es, Informationen zu einem bestimmten Thema, Gegenstand etc. zu vermitteln. Umsetzungsmöglichkeiten gibt es jedoch unzählige. Es stellen sich Fragen, wie: „Wer sind unsere Adressaten?“, „Welchen Schreibstil wollen wir verwirklichen?“, „Siezen wir?“, „Duzen wir?“ „Welche Inhalte sind uns wichtig?“, „Woran erkennen wir vermeintlich wichtige Inhalte?“, „Wie wollen wir diese in Sprache gießen?“, „Welche Intervalle erhalten beim Leser Neugier bei gleichzeitiger Vermeidung von Überstrapazierung?“ oder „Wie sieht es denn überhaupt mit Gendern aus?“.
Fragen über Fragen! Bewusst wurde uns bei der Beantwortung dieser Fragen vor allem, dass wir ein multiperspektivisches Team sind. Es gibt nicht die eine richtige Sichtweise über „Beziehungsweisen“, die zusammenfasst wer wir sind, was wir wollen und wo wir gerade stehen. Vielmehr erleben wir uns als System, das sich in ständiger Wechselwirkung/Veränderung miteinander befindet und dabei gleichzeitig zu ganz persönlichen inneren Dialogen oder Multilogen anregt wird. Um genau diesen inneren Dialogen Beachtung zu schenken, haben wir uns derzeitig dafür entschieden, den Letter als Plattform zu nutzen, um unterschiedliche Sichtweisen auf „Beziehungsweisen“ zu verdeutlichen und ganz persönliche Veränderungsprozesse zum Ausdruck bringen zu können.
Heute wollen wir Stefans Sichtweise ein wenig genauer betrachten. Stefan (Pätz) leitet das Institut für systemisch-lösungsorientierte Gesprächsführung (LöWe – Lösungsorientierte Weiterbildung) in Mainz und ist am Mainzer Universitätsklinikum als Diplom-Psychologe tätig. Seit Januar dieses Jahres engagiert er sich zudem bei BZW. Während der regelmäßigen Teamtreffen veränderte sich seine Rolle stetig – vom anfänglichen „freien Radikalen“, der Außenperspektiven einnimmt, laut denkt und ungewöhnlich kommentiert, hin zu einem festen Bestandteil des Kernteams. Aktuell beschäftigt sich Stefan mit Aufgaben aus den Bereichen Wissensmanagement und Redaktion – und wenn er sich diese Veränderung im Nachhinein vor Augen hält, muss er selbst ein wenig schmunzeln.
Aber genau das ist BZW! Ständige Veränderung! Aus Stefans Sicht war zu Beginn noch keine klare Zielvision des Teams vorhanden. Es bestand die Filmidee und eine Gruppe engagierter Personen, die „einfach mal machten“. Im Laufe der Zeit rückten dann Prozess und Identitätsfindung stärker in den Mittelpunkt. „Welche individuellen Bedeutungen haben wir für uns mit dem Projekt BZW konstruiert?“, „Wer sieht welche Verantwortlichkeiten wo?“ oder „Wo sieht sich jeder in diesem Zusammenhang selbst?“, waren hierbei zentrale Fragen. Dabei wurden schnell unterschiedliche Sichtweisen, Nähen, Distanzen und zuvor nur unbewusst wahrgenommene Aufgaben, Rollen und Verantwortlichkeiten sichtbar. Weiterhin könnte man hierin die Geburt des sogenannten Kernteams von BZW sehen, also zentrale Ansprechpartner für bestimmte Themen. Stefan wurde dabei bewusst, dass er vielleicht gedanklich frei und radikal unterwegs ist, aber eigentlich bereits diverse Aufgaben übernimmt, die ihm zum Teil des Kernteams werden lassen.

Aber nun zurück zu den „hard facts“! Nach wie vor arbeitet das Filmemacherteam Laura (Strümpfel) und Marc (Schmitt) mit Hochdruck an dem Filmprojekt ,,Satu und Helm – Beziehungsweisen“. Dabei gelingt ihnen, soweit ich das beurteilen kann, ein ausgezeichneter Spagat zwischen ergebnisorientiertem Arbeiten in Form von konkreten Dreharbeiten und liebevoller, wertschätzender Berücksichtigung persönlicher Befindlichkeiten der Protagonisten.
Parallel liefen die letzten Monate die Vorbereitungen des Kampagnenstarts auf Hochtouren. Unser Webauftritt, Grafikdesign, Präsenz in sozialen Netzwerken, Fundraising, Dankeschöns, Öffentlichkeitsarbeit und Werbung nahmen zu dieser Zeit eine zentrale Rolle ein. Für Stefan ist die Kampagne besonders wichtig, denn er sieht in ihr, zusammen mit dem Film, einen Türöffner, um die systemische Welt ein Stück stärker zu vernetzen. Vielleicht könnte sie als Anstoß dienen, um in Zukunft neue oder bereits bestehende Herausforderungen gemeinsam angehen zu können. Er persönlich würde z.B. gerne eine größere Diskussion anstoßen, wohin die systemische Szene sich zukünftig entwickelt und welche Auswirkungen die sozialrechtliche Anerkennung der systemischen Therapie einerseits für unser Gesundheitssystem, andererseits aber auch für die Vermittlung systemischer Inhalte haben könnte.
Diese Fragen lassen deutlich werden, dass auch hier, das Thema dieses Letters, Veränderung, eine zentrale Rolle einnimmt. Heute haben wir versucht zu zeigen, wie wir derzeitig versuchen, dieses Konstrukt konstruktiv und ressourcenorientiert in unsere Arbeitsweise zu integrieren. Entstanden ist dabei u. a. die Idee eines Meta-Letters, der die Gedanken einzelner Beteiligter in den Vordergrund rückt und angemessen berücksichtigt. Damit versuchen wir, vor allem die Gefahr zu umgehen, Generalisierungen, Pauschalisierungen und „wirklich-wirkliche Wirklichkeitskonstruktionen“ beschreiben zu müssen.
In diesem Sinne sei gesagt: „Behalten Sie sich Ihre Veränderungsbereitschaft bei und bleiben Sie neugierig auf den nächsten Letter. Wir freuen uns schon jetzt über Ihr Interesse.“