Sechster (News)Letter Oktober 2016: Filmpremiere!

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“Ich bin. Aber ich habe mich nicht. Darum werden wir erst.” (Ernst Bloch)

Wenn man es genau nimmt, geht zwar vieles gerade erst richtig los, aber: Unsere gemeinschaftliche Unternehmung, der Film “Satu & Helm – Helm & Satu” über das Ehepaar Stierlin hat am 16. Oktober 2016 Premiere gefeiert und ist somit fast fertig.
Das gesamte Team von BZWbeziehungsweisen und die Filmcrew hatten zur Premiere des Werkes in das Programmkino Brennessel in Hemsbach geladen. Mit ungefähr 130 Gästen konnten wir sehen und erleben, wie sehr sich der Film seit der Preview im Juli verändert hat. Wie viel Tiefe er gewonnen, wie sehr er an Aussagekraft zugenommen  hat und wie kraftvoll seine Bilder geworden sind.
Auch diesmal gab es ein musikalisches Schmankerl. Astrid und Silke haben mit ihren Instrumenten einen wunderbaren Rahmen und Bogen gespannt, der vorher und nachher für womöglich noch mehr Behagen bei den Zuschauern sorgen konnte.
Das Zitat von Ernst Bloch beschreibt sehr gut, worum es in dem Film unter anderem geht. Ich schreibe hier mit Absicht “unter anderem”, denn die knapp 90 Minuten sind so  vielschichtig, dass sich der Inhalt und die Aussage des Films auch nicht mit dem treffendsten Zitat in einen Satz fassen ließen. Deutlich wird jedenfalls der beharrliche Prozess der beiden Protagonisten, das eigene Leben in einer ständigen Balance zwischen dem Ich und dem Wir halten zu wollen. Und dass es die Bereitschaft geben muss, sich nicht nur als Individuum, sondern auch gemeinschaftlich als Paar mit einer Diskrepanz auseinander zu setzen: der Diskrepanz, die sich aus dem ständigen Wunsch nach den scheinbaren Gegensätzen “Dazugehören” und “individuelle” Entfaltung ergibt.

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Und dann stellt sich zusätzlich die Frage, wie viel Individualität im Alter, wenn Abhängigkeiten zunehmen, noch möglich ist. Wie geht ein Paar, geprägt von nicht nur 50 gemeinsamen Ehejahren sondern auch von einer gemeinsamen therapeutischen Vergangenheit mit der eigenen Endlichkeit um?

Auf leisen Sohlen, fast französisch anmutend, kommt der Film daher und schleicht sich unmerklich aber eindringlich in Hirn und Seele des Zuschauers.  Es entsteht das Bild eines  Paares, das sich mutig und liebevoll bemüht, täglich “erst zu werden”. Zwar manchmal auf wackeligen Beinen aber immer mit Energie, Wertschätzung und Wohlwollen für sich und den anderen und oft mit einem humorvollen Zwinkern im Auge.

Es ist den Filmemachern eindrucksvoll gelungen, das, was Helm Stierlin als die “Versöhnungsleistung des Lebens” bezeichnet, auf bewegende aber auch unterhaltsame Weise sichtbar werden zu lassen. Wir wünschen dem Film daher, dass sich verwirklichen möge,  was ein Besucher bei der anschließenden Diskussion sagte:

“Bringt den Film unter die Leute.”

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Und genau das ist unser nächstes Ziel. Im Augenblick sind wir mit den Vorbereitungen für die DVD-Produktion beschäftigt. Desweiteren ist die bundesweite Verbreitung von „Satu & Helm – Helm & Satu“ geplant. Genaue Schritte dazu bedenken wir gerade und freuen uns sehr über Anregungen, Ideen oder Hilfsangebote von euch.

Auch möchten wir euch eher ungewöhnliche Mitglieder von BZWbeziehungsweisen vorstellen. Die grüne Lebenslinie, die wir zu jeder Veranstaltung mitbringen, ist euch inzwischen ja bestimmt nicht mehr neu.  Vielleicht haben einige von euch auch bereits Bilder von ihren Kindern gesehen? Einige von Björn, dem kleinen Lebenslinien-Schlangenmann, waren bereits auf Facebook aufgetaucht.  Wenn wir über Bezogene Individuation nachdenken,  entsteht auch ein Bild von in sich verschlungenen Lebenslinien, von Begegnungen, die sich nicht nur wortwörtlich sondern auch im übertragenen Sinne berühren.

Nun ist die BZW-Lebenslinie ja hier bei uns zu Hause und, da groß und lang und schwer, nicht so reiselustig. Ihre Ableger aber sehr wohl. So sind einige bereits nach der Premiere zu  anderen Mit-Menschen  nach Hause gereist. Weitere werden wohl folgen. Wir hoffen, mit den fröhlichen  Minischlangen ein Stück von unserer Idee der Bezogenen Individuation ganz handfest weitergeben und die Zwischenräume, sowohl örtlicher als auch anderer Natur, mit ihrer Hilfe ein Stück weit überbrücken zu können.

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